FÜR LEHRKRÄFTE

Gamification im Unterricht: Motivation oder Bestechung?

Kaum ein Begriff verspricht so viel wie Gamification. Man nehme das Mühsame des Lernens, lege eine Schicht aus Punkten, Abzeichen und Ranglisten darüber – und schon arbeiten die Schülerinnen und Schüler so versessen wie an ihrer Lieblingskonsole. So die Hoffnung. In der Praxis hält sie oft ein, zwei Wochen, dann verpufft der Effekt, und zurück bleibt eine Klasse, die ohne Punkte gar nichts mehr tun will. Woran liegt das?

Punkte sind nur eine neue Währung fürs Alte

Das meiste, was unter Gamification läuft, ist im Kern ein Belohnungssystem mit hübscherer Oberfläche. Statt Stickern gibt es Sterne, statt Lob eine Bestenliste. Damit erbt es aber auch dessen Grundproblem. Die Motivationsforschung beschreibt den Überrechtfertigungseffekt: Wer eine Tätigkeit, die jemand auch aus eigenem Interesse täte, mit äußeren Belohnungen versieht, verschiebt den Grund des Handelns nach außen. Das Kind lernt nicht mehr, weil die Sache spannend ist, sondern für die Punkte. Nimmt man die Punkte weg, nimmt man auch das Lernen weg.

Punkte für Lernen erziehen Kinder dazu, ohne Punkte nicht mehr zu lernen.

Was Spiele wirklich fesselt

Der Denkfehler liegt darin, das Falsche aus Spielen zu kopieren. Was ein gutes Spiel packend macht, sind nicht in erster Linie die Punkte – die sind nur Anzeige. Es sind die Entscheidungen: An jeder Stelle tut der Spieler etwas, das den Verlauf verändert, sieht sofort die Folge und steht vor der nächsten Wahl. Dazu eine Schwierigkeit, die mitwächst, sodass es nie zu leicht und nie zu hart wird. Das ist der eigentliche Motor – Handlungsspielraum und der ständige, befriedigende Wechsel aus Herausforderung und Meisterung.

Sinnvolle Gamification ändert das Tun, nicht nur die Belohnung

Daraus folgt eine brauchbare Faustregel. Schlechte Gamification lässt die Aufgabe, wie sie ist, und klebt eine Belohnung daneben. Gute Gamification verändert die Aufgabe selbst: Sie gibt dem Lernenden echte Entscheidungen, unmittelbare Rückmeldung und eine Schwierigkeit, die sich anpasst. Im ersten Fall lernt das Kind, Punkte zu jagen. Im zweiten Fall wird das Lernen selbst zu der Sache, die fesselt – und dafür braucht es am Ende gar keine Sterne mehr.

Wie FaWi das angeht

FaWi setzt bewusst beim Tun an, nicht bei der Belohnung. Der Stoff steckt in einer Geschichte, in der die Schülerinnen und Schüler an jeder Weggabelung mitentscheiden; nach jedem Abschnitt kommt sofort eine Rückmeldung, und die Schwierigkeit passt sich pro Thema an. Die Spannung entsteht aus den Entscheidungen, nicht aus einer Rangliste. Warum Geschichten dabei so gut funktionieren, steht hier: warum wir uns Geschichten besser merken als Fakten.

Spielerisch lernen – ohne hohle Punktejagd

Sehen Sie, wie FaWi Motivation aus Entscheidungen statt aus Belohnung schöpft.

FaWi für Lehrkräfte ansehen

Weiterlesen: KI in der Schule – zwischen Hype und Hausverbot