FÜR ELTERN

„Mein Kind ist schlecht in Mathe" – und warum das fast nie stimmt

Bei kaum einem Fach sitzt die Resignation so tief wie bei Mathe. „Das hab ich auch nie gekonnt", sagen Eltern fast entschuldigend, als wäre Mathematik eine Begabung, die man hat oder eben nicht. Das Kind hört diesen Satz – und übernimmt ihn dankbar. Damit ist die Sache scheinbar erklärt und gleichzeitig hoffnungslos. Genau hier liegt der Denkfehler, und er ist folgenreich.

Das Mathe-Gen gibt es nicht

Die Vorstellung vom angeborenen Mathe-Talent hält sich hartnäckig, hat aber wenig Grundlage. Was wie fehlende Begabung aussieht, ist fast immer etwas anderes: eine Lücke, die sich aufgebaut hat. Mathe ist das vielleicht am strengsten aufeinander aufbauende Schulfach. Wer das Einmaleins nicht sicher beherrscht, stolpert später über Brüche; wer Brüche nicht versteht, scheitert an Gleichungen. Eine einzige nicht geschlossene Lücke trägt sich nach oben durch und sieht ein paar Klassen später aus wie generelles Unvermögen – dabei fehlt nur ein bestimmter Baustein weiter unten.

In Mathe ist „ich kann das nicht" fast immer eine Lücke, kein Talentmangel.

Angst, die das Rechnen blockiert

Dazu kommt ein zweiter Faktor, den man nicht unterschätzen darf: Matheangst. Mehr als jedes andere Fach erzeugt Mathe das Gefühl, entweder richtig oder peinlich falsch zu liegen, oft unter Zeitdruck und vor Publikum. Diese Anspannung blockiert ausgerechnet das Arbeitsgedächtnis, das man zum Rechnen braucht. So entsteht ein Teufelskreis: Die Angst führt zu Fehlern, die Fehler bestätigen die Angst. Ein Kind, das in Ruhe durchaus rechnen kann, wirkt unter diesem Druck wie eines, das es nicht kann.

Zurück zur Lücke

Der Ausweg ist unspektakulär, aber wirksam: nicht oben weiterkämpfen, wo es gerade brennt, sondern die eigentliche Lücke finden und schließen. Hakt es bei den Gleichungen, lohnt der ehrliche Blick, ob die Brüche wirklich sitzen. Das fühlt sich wie ein Rückschritt an und ist in Wahrheit der einzige Weg nach vorn. Ist der fehlende Baustein erst eingesetzt, läuft vieles darüber plötzlich von selbst – und mit dem ersten echten Erfolgserlebnis bröckelt auch die Überzeugung, „in Mathe einfach schlecht" zu sein.

Und der Satz am Esstisch?

Bleibt das „Das konnte ich auch nie". So verständlich er gemeint ist – er nimmt dem Kind die Erlaubnis, es doch zu können. Aus Mathe ist hier ein Familienschicksal geworden statt einer lösbaren Aufgabe. Es lohnt sich, ihn durch etwas Ehrlicheres zu ersetzen: „Das ist gerade schwer, aber es gibt eine Stelle, an der es klickt – die finden wir." Verwandt ist das Ganze mit der Frage, was eine schlechte Note überhaupt aussagt – dazu hier mehr: was Noten wirklich messen.

Wie FaWi das angeht

FaWi sucht beim Üben gezielt die Lücke, statt nur das aktuelle Thema zu drillen: Die Schwierigkeit passt sich pro Konzept an, sodass sichtbar wird, wo der Baustein fehlt, und genau dort angesetzt werden kann. Geübt wird in einer Geschichte, in der Fehler folgenlos sind und sofort eine Rückmeldung kommt – ohne Zeitdruck, ohne Publikum. Genau die Bedingungen, unter denen aus Matheangst wieder Mathe wird.

Lücken finden, statt oben weiterzukämpfen

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