FÜR ELTERN

Dein Kind kann lesen – aber versteht es auch?

Es gibt einen Moment, der viele Eltern überrascht: Das Kind liest einen Absatz flüssig und fehlerfrei vor – und kann auf die Frage, worum es gerade ging, nur mit den Schultern zucken. Die Wörter sind alle korrekt über die Lippen gekommen, aber nichts davon ist angekommen. Das ist kein Widerspruch und kein Grund zur Sorge über die Intelligenz des Kindes. Es zeigt nur, dass Lesen aus zwei sehr verschiedenen Fähigkeiten besteht, die man leicht verwechselt.

Entziffern und Verstehen sind zweierlei

Die eine Fähigkeit ist das Entziffern: aus Buchstaben Laute und aus Lauten Wörter machen. Die andere ist das Verstehen: aus den Wörtern einen Sinn bauen. Ein Kind kann das Erste perfekt beherrschen und beim Zweiten aussteigen. Solange das laute Vorlesen die ganze Aufmerksamkeit verschlingt – weil das Entziffern noch nicht automatisch läuft –, bleibt für das Verstehen schlicht keine Kapazität übrig. Erst wenn das Lesen mühelos genug wird, hat der Kopf den Platz, sich um die Bedeutung zu kümmern.

Wörter richtig aussprechen heißt noch nicht, sie verstanden zu haben.

Verständnis hängt an zwei Dingen, die man selten übt

Wer einen Text wirklich versteht, braucht zweierlei: genug Wortschatz, um die einzelnen Begriffe zu kennen, und genug Vorwissen, um sie einzuordnen. Ein Kind, das noch nie von Vulkanen gehört hat, scheitert an einem Text über Vulkane nicht am Lesen, sondern am Hintergrund. Genau deshalb ist die beste Förderung für das Leseverständnis oft gar kein Lesetraining, sondern alles, was Wortschatz und Weltwissen wachsen lässt: Vorlesen über dem eigenen Leseniveau, Gespräche, Erklärungen, Geschichten mit Zusammenhang. Verstehen baut auf dem auf, was schon im Kopf ist.

Vom Durchlesen zum Mitdenken

Der zweite Hebel ist die Haltung beim Lesen. Viele Kinder lesen passiv – die Augen wandern über die Zeilen, der Kopf ist woanders. Sinnentnehmendes Lesen ist dagegen eine aktive Tätigkeit: sich fragen, was gerade passiert, vorhersagen, wie es weitergeht, stutzen, wenn etwas nicht zusammenpasst. Man fördert das nicht durch mehr Textmenge, sondern durch Fragen. Ein „Was glaubst du, warum hat sie das getan?" mitten in der Geschichte verwandelt das Kind vom Zuschauer in jemanden, der mitdenkt – und nur wer mitdenkt, versteht.

Wie FaWi das angeht

FaWi ist genau darauf angelegt, das Mitdenken zu erzwingen – im besten Sinne. Weil die Geschichte nur weitergeht, wenn das Kind eine Entscheidung trifft, muss es verstanden haben, worum es geht; reines Drüberlesen führt nirgendwo hin. Nach den Abschnitten kommen Verständnisfragen, die das Erfassen sichern, und Texte lassen sich vorlesen, damit Kapazität fürs Verstehen frei wird. Warum die Geschichte dabei der entscheidende Trick ist, steht hier: warum Ihr Kind weiterliest, wenn es mitentscheidet.

Lesen, bei dem Verstehen nötig ist

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Weiterlesen: Kind zum Lesen motivieren – was wirklich funktioniert